Eine Diesellok der Baureihe 215 der WRS Deutschland GmbH bei ihrer Ankunft in Büchenbeuren! Foto: suedwest-events.de

Die WRS Deutschland GmbH hat am 31.07 und 01.08.2020 eine Erkundungsfahrt auf der Hunsrückquerbahn durchgeführt. Sinn und Zweck der Fahrt bis nach Büchenbeuren war nach Unternehmensangaben, sich persönlich von dem Zustand der Strecke zu überzeugen. Die Hunsrückquerbahn beginnt in Langenlonsheim und ist derzeit nur bis Büchenbeuren für den Bahnverkehr freigegeben. Das Unternehmen beabsichtigt in dem genannten Bereich ab Dezember den täglichen Betrieb im Güterverkehr aufzunehmen.

Anfang Juli 2020 hat die WRS Deutschland GmbH, die eine 100%-Tochter der WRS Widmer Rail Services AG mit Sitz in der Schweiz ist, sich erstmals über die Pläne geäußert. Vorrangiges Ziel sei es, den Unternehmen entlang der Strecke und auch dem Flughafen Hahn die Option für den Weitertransport der Güter über die Schiene zu ermöglichen. Dafür seien schon mit ersten Kunden Gespräche geführt worden. Das Unternehmen steht zudem in Verhandlung mit der DB Netz AG über einen Pachtvertrag, der den derzeit stillgelegten Teil der Hunsrückquerbahn betrifft. Konkret geht es um den Abschnitt Büchenbeuren-Morbach und sogar weiter bis nach Hermeskeil, dem Ende der Hunsrückquerbahn.

Hierzu steht die WRS auch in ständigem Kontakt mit der IG Nationalparkbahn, die bereits seit 5 Jahren einen Pachtvertrag für den Abschnitt Hinzerath bis nach Thalfang anstrebt. Wie Patrick Pandel, 2. Vorsitzender der IG in einem Interview mit suedwest-events.de bestätigte, hoffe man auf Synergieeffekte, wenn die WRS Deutschland GmbH den gesamten Streckenabschnitt pachtet. Auch wolle die IG von der angestrebten Pacht ablassen und der WRS den Vortritt für die Gesamtstrecke lassen. Wie das Unternehmen auf seiner offiziellen Facebook-Seite schreibt, will man

  • mit maximal 50 km/h auf der Strecke fahren (für größere Geschwindigkeiten war die Hunsrückquerbahn auch nie ausgelegt)
  • und ausschließlich Güterwagen mit Flüsterbremsen einsetzen (Ab dem 13.12.2020 ist grundsätzlich das Fahren mit lauten Güterwagen auf dem deutschen Schienennetz verboten).

Alexander Neubauer, der Niederlassungsleiter der WRS Deutschland GmbH betonte in dem Interview mit suedwest-events.de, dass es ab Dezember einen Güterzug pro Richtung am Tag geben werde. Dieser soll von Langenlonsheim bis nach Morbach und von Morbach nach Langenlonsheim fahren. „Der erste Schritt wird sein, für die Holzindustrie die Güterabfertigung zu gewährleisten. Natürlich haben wir auch schon andere Gespräche mit Unternehmen und dem Flughafen Frankfurt-Hahn geführt, aber als erstes fahren wir Holz.“ Wie Neubauer weiter mitgeteilt hat, seien die Fahrten schon bei der DB Netz bestellt worden und ab Dezember könne es somit aller Voraussicht nach losgehen.

Das laufende Planfeststellungsverfahren für den Schienen-Personen-Nahverkehr

Seit einigen Jahren läuft für die Hunsrückquerbahn auch ein Planfeststellungsverfahren, um die vorhandene Gleisanlage wieder für den SPNV nutzen zu können. Insbesondere die Anbindung vom Flughafen Frankfurt Hahn an das Nahetal/die Rheinstrecke steht hier im Fokus. Dafür sollen zwei Abschnitte zweigleisig ausgebaut und die Streckengeschwindigkeit von derzeit nur 50 km/h auf 80 bzw. 100 km/h erhöht werden. Ebenso stehen der Neubau und Wegfall von Bahnübergängen, der Neubau von Haltepunkten und Installation von entsprechenden Sicherungsanlagen auf der Agenda. Besorgte Bürgerinnen und Bürger entlang der Strecke haben insgesamt über 800 Einwendungen gegen das Planfeststellungsverfahren abgegeben. Besonders betroffen fühlen sich die Ortsgemeinden Guldental und Windesheim, da die Gleise teilweise zwischen den Häusern vorbeiführen.