Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat den diesjährigen Brückenpreis verliehen

Pressemitteilung:

Brückenpreis 2017

Ministerpräsidentin Malu Dreyer: Helfern eine Bühne bieten

„Engagement leben, Brücken bauen, Integration stärken in Zivilgesellschaft und Kommunen in Rheinland-Pfalz“- Unter diesem Motto hat Ministerpräsidentin Malu Dreyer den diesjährigen Brückenpreis verliehen. Im Rahmen einer Feierstunde in der Staatskanzlei zeichnete sie acht Projekte und Initiativen aus, die mit guten Ideen und neuen Ansätzen den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.

„Mit dem Brückenpreis will ich die Vielfalt des ehrenamtlichen Engagements in unserem Land sichtbar machen und Danke sagen. Mir ist es ein ganz besonderes Anliegen, die vielen Engagierten und ihre Arbeit öffentlich zu würdigen“, betonte die Ministerpräsidentin. Gesellschaftliche Integration sei etwas, das nicht allein durch die Politik gewährleistet werden könne. „Sie gelingt dort, wo Menschen anpacken, Mut haben, eine Idee verwirklichen, Verantwortung übernehmen und sich engagieren“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Sie hob hervor, dass der Brückenpreis in diesem Jahr bereits zum zehnten Mal verliehen wurde. „Dies zeigt, dass eine solche Auszeichnung auch in nachhaltiger Weise wirken kann“, so die Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

Eine Jury hatte aus 74 Bewerbungen die diesjährigen Preisträger bestimmt. Bewertungskriterien waren erzielte Integrationseffekte, Modellhaftigkeit der Projekte, aber auch die Anzahl der Freiwilligen und der Menschen, die mitmachen. Neben einem Pokal, der einer stilisierten Brücke nachempfunden ist, erhielten die Preisträger zur Unterstützung ihres Engagements 1.000 Euro. Außerdem sind sie zusätzlich für den Deutschen Engagementpreis 2018, dem bundesweiten Dachpreis für freiwilliges Engagement, nominiert. „Allen an den Projekten Beteiligten, auch denjenigen, die heute nicht ausgezeichnet werden, danke ich sehr herzlich für ihre Bewerbung und ihr wichtiges Engagement vor Ort“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

Ausgezeichnet wurden:

Kategorie „Bürgerschaftliches Engagement von Jung und Alt“
Caritasverband Westeifel e.V. mit seinem Projekt „Wellcome- und Familienpatenschaften im Vulkaneifelkreis“

Im Projekt „Wellcome- und Familienpatenschaften im Vulkaneifelkreis“ des Caritasverbandes übernehmen ehrenamtlich Engagierte die Rolle von Familienpaten und „Wellcome-Engeln“ und unterstützen dabei insbesondere Alleinerziehende, sehr junge Eltern, Mehrkindfamilien, zugezogene Menschen, Eltern mit einem behinderten Kind und Familien mit Migrationshintergrund. Wellcome-Engel leisten praktische Hilfe bei Eltern mit einem Neugeborenen. Sie unterstützen im Alltag oder hüten das Baby ein- bis zweimal wöchentlich. Familienpaten entlasten Eltern durch Kinderbetreuung und individuelle Hilfestellung. Bei den Helferinnen und Helfern handelt es sich um Menschen mittleren Alters oder im Seniorenalter, die ihre zeitlichen Ressourcen und ihre Lebenserfahrung sinnvoll einsetzen. Alle Beteiligten profitieren.

Kategorie „Bürgerschaftliches Engagement von Menschen mit und ohne Behinderung“
Preisträger: Selbstständigkeitshilfe bei Teilleistungsschwächen (SeHT) in Ludwigshafen mit dem Projekt der ADHS-Jobpaten

Die Helfer des 2011 gegründeten Projektes bieteten für Menschen mit erheblichen Aufmerksamkeitsstörungen eine persönliche Unterstützung bei der Berufsfindung und Arbeitsplatzsuche. Die rein ehrenamtlich tätigen Jobpaten erhalten in mehrtägigen Schulungen spezielles Wissen über die ADHS-Problematik, über den rechtlichen Rahmen ihrer Aufgabe, Möglichkeiten und Grenzen ihrer Arbeit sowie über Kommunikationstechniken. Durch diese Vorbereitung und regelmäßige Supervision bieten die ehrenamtlichen Jobpaten professionelle Unterstützung an, die weit über die übliche Selbsthilfe hinausgeht.

Die Vernetzung mit dem Senior Expert Service (SES e.V.) sorgt für gegenseitige Unterstützung bei Schulungen und personellem Bedarf. Insbesondere zu Berufsschulen werden Kontakte geknüpft, um betroffene Jugendliche beim Erreichen ihrer Ausbildungsabschlüsse zu unterstützen. Das Projekt wird ausschließlich durch Spenden finanziert.

Kategorie „Bürgerschaftliches Engagement von Deutschen und Migrantinnen / Migranten“
Preisträger: „Börse Nachbarschaftshilfe – Flüchtlinge helfen“ in Stahlberg

Seit 2016 engagieren sich Helfer in Rockenhausen in der Börse, über die geflüchtete Menschen Hilfsdienste anbieten, die insbesondere von älteren, kranken und hilfsbedürftigen Menschen in Anspruch genommen werden. Insgesamt sind 19 junge, vor allem syrische Männer gemeinsam mit acht Einheimischen, die die Koordination und Vermittlung übernehmen, ehrenamtlich aktiv. Auf unkompliziertem, unbürokratischem Weg können so Arbeiten für Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind, erledigt werden, zum Beispiel im Haushalt, beim Einkauf oder im Garten. Für die Geflüchteten öffnen sich damit Türen zur Integration. Sie können ihre Sprachkenntnisse anwenden, ihre Fähigkeiten zeigen und Ängste und Vorurteile abbauen.

Durch die Nachbarschaftshilfe entstehen auch Freundschaften. Patenschaften werden eingegangen, Spiele organisiert, Deutschunterricht gegeben. Die Börse ist zudem zum Sprungbrett für Praktika und berufliche Arbeitsangebote geworden. Das Projekt soll weiter ausgebaut werden, indem insbesondere auch Migrantinnen angesprochen werden.

Kategorie „Bürgerschaftliches Engagement gegen soziale Benachteiligung, Ausgrenzung und Diskriminierung
Preisträger: Verein „Silberstreif gegen Altersarmut“ in Landau

Der Verein unterstützt Menschen ab 60 Jahren, die von der Grundsicherung leben. Dort, wo ein besonderer Hilfebedarf von Seniorinnen und Senioren nicht über die Sozialleistungen abgedeckt werden kann, wird der Verein aktiv. Die Hilfe ist unbürokratisch, direkt und vertraulich. Die Unterstützung erfolgt über Sachzuwendungen. Die Hilfe stellt menschliche Zuwendung und Hilfestellung im Alltag in den Vordergrund. Um die Hemmschwelle, den Dienst in Anspruch zu nehmen, zu senken, stehen seit Juni dieses Jahres 20 Briefkästen mit Hilfezetteln in den Stadtgebieten. Durch die Briefkasten-Aktion haben viele neue Bedürftige den Weg zum Verein und seinen Hilfsangeboten gefunden. Darüber hinaus konnten neue Ehrenamtliche für die Mitarbeit gewonnen werden. Zusätzlich leistet der Verein auch Unterstützung zur Teilnahme an kulturellen Veranstaltungen.

Kategorie „Bürgerschaftliches Engagement in grenzüberschreitender Zusammenarbeit“
Preisträger: Deutsch-Französisch ökologischer Jugendfreiwilligendienst des BUND Rheinland-Pfalz mit dem Projekt „Diversität und Partizipation“

Durch das Projekt „Diversität und Partizipation“ sollen Kontakte zwischen jungen Erwachsenen aus Deutschland und aus Frankreich sowie geflüchteten Jugendlichen geknüpft und deren Integration unterstützt werden. Gleichzeitig sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre künstlerischen Fähigkeiten erweitern.

Im April 2017 fand eine Seminarwoche in Dijon statt, auf der Musikworkshops gegeben und ein gemeinsames Konzert veranstaltet wurde. Während der Austauschwoche im Mai 2017 in Mainz beschäftigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer  mit der Fotografie und erarbeiteten eine Fotoausstellung.

Das Projekt wurde von vier jungen, in Deutschland lebenden Franzosen, die auf dem Gebiet der interkulturellen und pädagogischen Arbeit geschult sind, ehrenamtlich geplant und umgesetzt. Neben den sozialen und den kulturellen Aspekten spielte auch der ökologische eine wichtige Rolle für sie.

Preisträger in der kommunalen Kategorie:

Landkreis Bernkastel-Wittlich mit dem Projekt „Zu Hause alt werden“

Kern des Projekts ist die Ausschreibung von Ideenwettbewerben, durch die örtliche Initiativen darin unterstützt werden, zukunftssichernde Maßnahmen zum Auf- und Ausbau wohnortnaher „Kümmererstrukturen“ einzuleiten und umzusetzen. Die Ausschreibungsmodalitäten wurden in einer Zukunftskonferenz, daran anschließenden Workshops und einer Projektlenkungsgruppe erarbeitet und werden laufend fortgeschrieben. Seit 2010 wurden fünf Ideenwettbewerbe durchgeführt, der sechste ist in Vorbereitung.

Für den Ideenwettbewerb stellt der Landkreis eine Fördersumme von 24.000 Euro zur Verfügung, das einzelne Preisgeld beträgt bis zu 3.000 Euro. Bislang wurden 87 mögliche Umsetzungskonzepte zusammengetragen, 55 davon als besonders wirkungsvoll ausgezeichnet. Dazu gehören ehrenamtliche Fahrdienste oder Bürgerbusse, ehrenamtliche Besuchsdienste, Begegnungsangebote, Wohnprojekte oder ein kostenloser Verleih von Pflegehilfsmitteln. Die Projekterfahrungen werden schriftlich aufbereitet, um Interessierten eine Orientierung beim Aufbau eigener Hilfsangebote zu geben.

Verbandsgemeinde Maxdorf, NetzwerkHilfe Maxdorf

Aus einer engagierten Gruppe von Flüchtlingshelfern hat sich 2015 der Verein „NetzwerkHilfe Maxdorf“ gegründet. Dieser koordiniert Amtsaufgaben mit Integrationsaufgaben und somit die Arbeit von Ehrenamtlichen und Verwaltungsangestellten. Die Bandbreite der angebotenen Hilfe ist groß und reicht von ärztlichen Behandlungen über Sprachunterricht und Informationsveranstaltungen bis hin zu einer Kleiderkammer. Was in Maxdorf geleistet wird, ist beeindruckend. So lässt sich die 2016 investierte Zeit der Ehrenamtlichen auf beträchtliche 47.000 Stunden schätzen.

Der gemeinsame Wille von Ehrenamt, Politik und Verwaltung, etwas für die Gemeinde zu tun, kommt hier allen zugute und ist in den Köpfen fest verankert. Durch ein breites Netzwerk an Partnern, Sponsoren, Bürgern, Behörden und Bildungseinrichtungen kann der Verein sehr effektive Arbeit leisten.

Verbandsgemeinde Zell (Mosel)

Die Verbandsgemeinde Zell (Mosel) engagiert sich seit vielen Jahren in unterschiedlichen Bereichen zur Förderung des bürgerschaftlichen Engagements und der Bürgerbeteiligung. Dies beginnt bereits bei Kindern und Jugendlichen mit einem eigenen Jugendförderpreis, einem Jugendparlament, dem Arbeitskreis „Time4Fun“, dem „Zeller Land Ferienspass“ oder Infoveranstaltungen zum Thema Jugendschutz. Zu den zahlreichen Angeboten gehören beispielsweise auch eine Ehrenamtsagentur, die Ehrenamtsbörse „EB Zett“ sowie der Kriminalpräventive Rat.

Die Verbandsgemeinde hat die Förderung des Ehrenamtes und der Bürgerbeteiligung in den Mittelpunkt der Kommunalpolitik gerückt und dafür eine eigene Strategie mit zahlreichen Instrumenten und Möglichkeiten geschaffen. Dies ist landesweit einmalig und beispielgebend.